Unternehmensgeschichte

Die Faszination Holz zieht sich als roter Faden durch die Unternehmensgeschichte der Pfleiderer GmbH. Begleiten Sie uns auf eine Zeitreise, die vor über hundert Jahren bei einem kleinen Flößereibetrieb beginnt.

1894 – 1945

Vom Flößereibetrieb in Heilbronn bis zum kriegsbedingten Umzug nach Neumarkt

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Gustav Adolf Pfleiderer gründet das Unternehmen 1894.

Erfolgreiche und zugleich schwere Zeiten sind die ersten fünfzig Jahre für die G.A. Pfleiderer Langholzhandlung (GAP). Zwei Weltkriege, Inflation und der frühe Tod des Unternehmensgründers und Familienvaters Gustav Adolf Pfleiderer prägen die Familie und das Unternehmen. 1894 gründet Gustav Adolf Pfleiderer in Heilbronn am Neckar die GAP mit einer eigenen Neckar- und Rheinflößerei, verstirbt jedoch nur zwei Jahre später mit 51 Jahren.

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Bereits zwei Jahre nach der Gründung des Unternehmens übernimmt Adolf Pfleiderer die Geschäftsleitung.

Sein 18-jähriger Sohn Adolf muss nun die Geschäftsleitung übernehmen. Dieser beweist Talent als Unternehmer: Gemeinsam mit dem jüngeren Bruder Paul-Otto lenkt er die GAP über fünfzig Jahre mit viel Geschick durch Inflation und zwei Weltkriege. 1949 übergeben die Brüder die Leitung des Unternehmens an Herbert Pfleiderer, dem Sohn Paul-Ottos und Vater von Ernst-Herbert Pfleiderer.

1916

Vom Handel zur Fabrikation

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Paul-Otto Pfleiderer, hier mit seiner Frau Gladys, führte zusammen mit seinem Bruder Adolf die Geschäfte.

Das Geschäft mit Holzimporten gestaltet sich während des 1. Weltkriegs zunehmend schwierig. Auch die Flößerei ist im Krieg wenig gewinnbringend. Deshalb entscheiden sich Adolf und Paul-Otto Pfleiderer neue Wege zu gehen und in die industrielle Erzeugung von Holzprodukten zu investieren. Sie kaufen Sägewerke in Wernberg in der Oberpfalz und Heilbronn.

1919

Bau einer Imprägnieranstalt mit Sägewerk

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Diesen ehemaligen Exerzierplatz in Neumarkt erwirbt die GAP und baut ihn zum Werksgelände um.

Die GAP will sich in Neumarkt in der Oberpfalz erweitern: Sie übernimmt ein Sägewerk, lässt sich von der Bahn einen Gleisanschluss genehmigen und fertigt und imprägniert zunächst Bahnschwellen. Später kommen auch Holzmaste für die Post und Energieversorgungsunternehmen dazu.

1944

Bombennacht in Heilbronn

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Die GAP verlegt den Unternehmenssitz nach Neumarkt. Hier im Bild sieht man den Holzplatz.

Am 4. Dezember 1944 greifen die alliierten Streitkräfte Heilbronn an, dabei zerstörten Bomben das Hab und Gut der Familie Pfleiderer. Das Zentrallager brennt vollständig ab, das Privathaus von Paul-Otto Pfleiderer wird stark beschädigt. Die Familie Pfleiderer legt daraufhin den Wohnsitz sowie die Firmenzentrale nach Neumarkt.

1945 – 1970

Holz bleibt, Beton kommt

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Nach dem Krieg nahm Pfleiderer die Produktion in Neumarkt auf. Mit Bauholz half die Firma beim Wiederaufbau der Stadt.

Holzschwellen, Holzmaste und Bauholz: Diese drei Pfleiderer-Klassiker bilden die Grundlage für die Wiederaufnahme der Produktion im fast vollständig zerstörten Neumarkt Ende des zweiten Weltkriegs.

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Ab 1954 fertigen Pfleiderer-Mitarbeiter in Neumarkt die ersten Bahnschwellen aus Beton.

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Auch bei den Masten weicht Holz zugunsten des Betons. Das Bild zeigt den 200.000 Betonmast, der in Neumarkt produziert wurde.

Nach Jahren knapper Rohstoffe geht in den fünfziger Jahren die Nachfrage nach Holzprodukten zurück. Die Deutsche Bahn, der Hauptkunde von Pfleiderer, ersetzt Holzschwellen zunehmend durch Betonschwellen und auch bei den Masten wünschen die Kunden jetzt Beton statt Holz. Die GAP handelt und betritt erstmals neue Geschäftsfelder: 1954 beginnt das Unternehmen mit der Betonschwellenproduktion, 1956 entsteht ein Betonmastenwerk und 1962 startet Pfleiderer die Spanplattenproduktion.

Herbert Pfleiderer übernimmt Unternehmensleitung

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Herbert Pfleiderer übernimmt die Unternehmensleitung 1949.

Mit 23 Jahren tritt Herbert Pfleiderer 1935 als Prokurist ins Unternehmen ein, ehe er vier Jahre später zur Wehrmacht muss. Den Zweiten Weltkrieg übersteht er schwer verletzt: Er wird viermal verwundet und verliert den rechten Arm.

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Das Verwaltungsgebäude der GAP in Neumarkt um 1950.

In den Nachkriegsjahren leitet Herbert Pfleiderer zunächst die Firma seines Schwagers in Heilbronn. 1949 kehrt er dann nach Neumarkt zurück, um seinen Vater zu unterstützen. Im gleichen Jahr übernimmt er die vollständige Leitung des Unternehmens, das inzwischen auf 300 Mitarbeiter angewachsen ist und einen Umsatz von 15 Millionen DM erwirtschaftet.

Mitarbeiterfürsorge und Motivation

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Informationen für die Mitarbeiter: Hier eine Ausgabe des „Holzwurms“ von 1958.

Bereits 1949 führt Herbert Pfleiderer die betriebliche Altersvorsorge ein, ab 1950 gibt es einen Leistungslohn und ein Jahr später bringt das Unternehmen mit dem „Holzwurm“ eine eigene Werkszeitung heraus. Bald gibt es eine Werkblaskapelle, eine Werkbibliothek und sogar eine Werksauna. 1955 führt die Unternehmensleitung die Fünf-Tage-Woche ein. Ab 1968 leiten Mitarbeiter die gewerbliche Ausbildung und ab 1969 gibt es eine Kapitalbeteiligung für Mitarbeiter. Einen eigenen Betriebsarzt können die Mitarbeiter ab 1976 aufsuchen.

1970 – 1996

Aus dem Familienunternehmen wird ein internationaler Konzern

1970 steht der nächste Generationswechsel für die rund 1.000 Pfleiderer-Mitarbeiter vor der Tür. Ernst-Herbert Pfleiderer tritt in die Firma ein und übernimmt drei Jahre später die Leitung. Die Größe des Unternehmens führt erstmals zu einer Einteilung in drei Geschäftsressorts: Kaufmännischer Bereich, Technik und die Zentrale Geschäftsleitung, außerdem wird ein Aufsichtsrat berufen.

Der Wandel vom Familienunternehmen zu einem internationalen Konzern bringt 1982 die Gründung der G.A. Pfleiderer Unternehmensverwaltungsgesellschaft mit sich. Ernst-Herbert Pfleiderer und Dr. Hans-Peter Mall teilen sich die Leitung der Unternehmensbereiche, die inzwischen nach operativen Aufgaben getrennt sind.

Wachstumsjahre

Neben Produkten aus Holz und Beton erweitern nun Dämm- und Kunststoffe das Portfolio. Initialzündung für den Ausbau der Marktpräsenz in Deutschland ist die Übernahme der Moralt-Werke in Bad Tölz 1979. Hinzu kommen 1986 Duropal in Arnsberg, 1988 Wirus in Gütersloh und eine Beteiligung an Thermopal in Leutkirch 1983. Bereits 1981 hat Pfleiderer Anteile der EFP-Engineered Fibreglass Products Inc. in Estill, South Carolina (USA) gekauft und damit den Beginn der internationalen Expansion eingeleitet. Bis Ende der 90er Jahre beschäftigt der Konzern weltweit über 10.000 Mitarbeiter.

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Verkehrstechnik und Spanplatten-Produktion: Zwei Segmente aus den insgesamt vier operativen Einheiten, die 1986 gegründet wurden.

Die Marktentwicklung und das Unternehmenswachstum führen ab 1986 zu einer neuen Konzernstruktur mit vier operativen Einheiten:

  • Pfleiderer Verkehrstechnik und Pfleiderer Bausysteme
  • Pfleiderer Industrie
  • Pfleiderer Kunststoff AG
  • Pfleiderer Consulting und JURA-Spedition
1997 – 2006

Börsengang und Konzentration auf Holz

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Im Juli 1997 geht Pfleiderer an die Börse.

In den 90er Jahren steigt der Umsatz von rund 1,5 Milliarden DM auf über 3 Milliarden DM. An 40 Standorten sind nun etwa 11.200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Familie entscheidet sich für die Gründung einer Aktiengesellschaft und damit für die Trennung von Firmenkapital und Familieninteressen. Am 15. Juli 1997 werden zum ersten Mal Aktien der Pfleiderer AG an der Frankfurter Börse gehandelt. Dr. Hans-Peter Mall wird Vorstandsvorsitzender der Pfleiderer AG. Ernst-Herbert Pfleiderer, der bereits seit 1991 Aufsichtsratsvorsitzender bei Pfleiderer war, bleibt weiterhin in dieser Position.

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Konzentration auf die Unternehmensbereiche Holzwerkstoffe und Infrastrukturtechnik.

2000 übernimmt Dr. Ralf H. Bufe den Vorstandsvorsitz. Er entscheidet sich für eine Neustrukturierung und die Konzentration auf die beiden Unternehmensbereiche Holzwerkstoffe und Infrastrukturtechnik. Von den baunahen Bereichen Fenster, Türen und Dämmstofftechnik verabschiedet sich das Unternehmen 2002.

Dr. Ralf H. Bufe verlässt das Unternehmen im August 2003. Neuer Sprecher des Vorstands wird der bisherige Vorstand Holzwerkstoffe Hans H. Overdiek. Unter seiner Leitung positioniert sich der Konzern mit Nachdruck als weltweit führender und wirtschaftlich erfolgreicher Hersteller von Holzwerkstoffen.

Ziel der Unternehmenspolitik ist die Fokussierung auf den Geschäftsbereich Holzwerkstoffe verbunden mit dem Ausbau der Markt- und Wettbewerbssituation. Dadurch schafft sich Pfleiderer neue unternehmerische Chancen in den internationalen Märkten der Holzwerkstoff- und Möbelindustrie und für Laminatfußböden.

Sternwender

Pfleiderer konzentriert sich auf die Holzwerkstoffe. Hier ein Bild aus der Spanplattenfertigung.

So erfolgt 2005 mit der Übernahme und der Integration des Wettbewerbers Kunz ein entscheidender Schritt zu weiterem Wachstum. Neben Größenvorteilen verbessert Pfleiderer seine Markt- und Wettbewerbssituation durch neue Produkte, neue Absatzmärkte mit attraktiven Ertragspotenzialen und neue Kundengruppen. Mit der Akquisition reiht sich Pfleiderer in den Kreis der weltweit führenden Systemanbieter von Holzwerkstoffen für die Möbelindustrie und den Innenausbau ein.

Der strategische Konzernumbau Pfleiderers ist 2005 erfolgreich abgeschlossen: Die Weichen für neues Wachstum, verbesserte Ertragskraft und zukünftige unternehmerische Handlungsspielräume sind gestellt.

Mit dem Verkauf der Geschäftseinheit track systems beendet Pfleiderer im Frühjahr 2006 seinen strategischen Konzernumbau und konzentriert sich künftig ausschließlich auf den internationalen Ausbau des Geschäftsbereichs Holzwerkstoffe. In diesem Jahr schafft eine Kapitalerhöhung - zusammen mit der vollzogenen Transaktion - ideale Grundlagen, um die Profitabilität des Pfleiderer Konzerns mit gezielten Investitionen auszubauen. Auf diese Weise kann das Unternehmen in Westeuropa und den Wachstumsregionen Nordamerika und Osteuropa nachhaltig gestärkt werden.

Anfang 2006 übernimmt die Pfleiderer AG den polnischen Leimhersteller Silekól und beginnt im gleichen Jahr im Herbst mit der Produktion im neu gebauten Spanplattenwerk in Novgorod, Russland. Die Spanplattenfertigung ist zu diesem Zeitpunkt die modernste im russischen Markt.

2007 - 2009

Wachstum schaffen

Die profitable Wachstumsstrategie des Konzerns fußt auf organischem Wachstum und Zukäufen. 2007 konzentrierte sich die Pfleiderer AG darauf, ihre Markt- und Wettbewerbsposition zu festigen und ihre Präsenz in Märkten auszuweiten.

So baut das Unternehmen in Polen in einer Rekordbauzeit von zehn Monaten ein Dünn-MDF-Werk am Standort Grajewo.

Nach der erfolgreichen Integration der Kunz Gruppe ist die Übernahme des schwedischen Laminatfußboden-Herstellers Pergo im März 2007 der nächste Schritt des Holzwerkstoffherstellers zum Ausbau der weltweiten Marktpräsenz. Mit der Übernahme wird Pfleiderer in Nordamerika zum führenden voll integrierten Hersteller von Laminatfußböden und erschließt sich auch in Europa dieses Marktsegment.

Der Aufsichtsrat bestellt Hans H. Overdiek, der bisher als Sprecher des Vorstands fungierte, mit Wirkung zum 1. November 2007 zum Vorsitzenden des Vorstands der Pfleiderer AG.

2010 - 2012

Restrukturierung

Die weltweite Wirtschaftskrise trifft auch Pfleiderer und hat eine umfassende Restrukturierung des Konzerns zur Folge. Neben der Finanzrestrukturierung hat das Unternehmen seit Ende 2010 deshalb eine umfassende Neuordnung seiner Geschäftsaktivitäten vorangetrieben. Dabei wurde das verlustträchtige Geschäft in den USA und Kanada sowie Geschäftsbereiche in Europa und Aktivitäten in Russland verkauft.

Am 27. November 2012 stellt Pfleiderer den Handel mit Aktien ein. Atlantik S.A. Luxemburg wird alleiniger Gesellschafter. Im Jahr 2012 nutzt Pfleiderer die Zeit, um eine Unternehmensstrategie auszuarbeiten, die das Unternehmen unter der Dachmarke Pfleiderer ausrichtet.

ab 2013

Neuanfang

Mit dem Verkauf des russischen Standortes Novgorod im Januar 2013 ist die Restrukturierung der Pfleiderer Gruppe abgeschlossen. Sie besteht aus dem profitablen Business Center Westeuropa, insbesondere den in Deutschland tätigen Produktions- und Vertriebsunternehmen, und hält weiterhin die Mehrheitsbeteiligung an der Pfleiderer Grajewo S.A., die eine starke Marktstellung im polnischen Holzwerkstoffmarkt besitzt.