Pfleiderer im ersten Quartal 2009 mit rückläufigem Umsatz und Ergebnis – Steigende Nachfrage seit Umsatztiefpunkt im Dezember 2008

Neumarkt, 20. Mai 2009 – Die im MDAX notierte Pfleiderer AG (ISIN DE0006764749) konnte sich im ersten Quartal 2009 der allgemeinen Marktlage nicht entziehen, die Konzernumsätze fielen mit 358,0 Mio. Euro um 23,5% hinter den Wert des Vorjahresquartals zurück. Die Lagerbestandsbereinigungen auf Kundenseite setzten sich zu Beginn dieses Jahres fort, so dass insbesondere die erste Quartalshälfte noch von einer sehr schwachen Nachfrage geprägt war. Negativ belastet haben den Umsatz darüber hinaus Wechselkurseffekte in Höhe von 14,1 Mio. Euro. Die nicht ausgelasteten Kapazitäten übten über nahezu alle Produktgruppen Druck auf die Preise aus. Der Auslandsanteil am Umsatz betrug 70,6%, verglichen mit 72,2% vor einem Jahr.

Dank niedrigerer Rohstoffpreise und konsequenter Effizienzsteigerungsmaßnahmen konnte die Bruttomarge der Pfleiderer AG gegenüber dem Vorjahr auf 28,7% gesteigert werden. Die Leimpreise, die indirekt mit einer Verzögerung von einem halben Jahr den gesunkenen Ölpreisen folgen, haben sich gegenüber den Spitzenwerten des letzten Jahres mehr als halbiert. Auch infolgedessen sank die Materialkostenquote gegenüber dem Vorquartal um 4,4 Prozentpunkte.

Das Ergebnis vor Zinsen, Ertragssteuern und Abschreibungen (EBITDA) nahm in den ersten drei Monaten 2009 um 12,7% auf 52,7 (Q1 2008: 60,4) Mio. Euro ab. Der im Vergleich zum Umsatz unterproportionale Ergebnisrückgang resultierte neben Kostensenkungen bei den Rohstoffen auch aus der Auflösung nicht mehr benötigter Rückstellungen. Die EBITDA-Marge belief sich auf 14,7%. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 28,5% auf 23,0 (Q1 2008: 32,2) Mio. Euro zurück. Hier wirkten sich die höheren Abschreibungen als Folge einer Sonderabschreibung in Höhe von 4,0 Mio. Euro aus. Die Abschreibungen stiegen von 28,2 Mio. Euro auf 29,7 Mio. Euro im ersten Quartal 2009.

Im Finanzergebnis von -16,4 Mio. Euro wirkten sich nicht operative Belastungen aus der stichtagsbezogenen Marktpreisbewertung von Finanzpositionen in Fremdwährungen mit -2,4 Mio. Euro und Devisentermingeschäfte sowie Zinssicherungsgeschäfte mit -2,5 Mio. Euro aus. Im Vorjahresquartal beinhalteten die sonstigen Positionen im Finanzergebnis einen negativen Beitrag von 5,7 Mio. Euro.

Das Ergebnis der fortzuführenden Aktivitäten blieb mit 4,0 Mio. Euro aufgrund der oben genannten Faktoren um 63,7% unter dem Vorjahreswert. Unter Berücksichtigung der Anteile von Minderheitsgesellschaftern von -1,2 Mio. Euro sowie der Ansprüche der Hybridkapitalgeber in Höhe von 4,6 Mio. Euro beläuft sich der Ergebnisanteil für die Aktionäre der Pfleiderer AG damit auf 0,1 Mio. Euro verglichen mit 5,3 Mio. Euro vor einem Jahr. Daraus ergibt sich ein unverwässertes Ergebnis je Aktie von 0,00 Euro nach 0,10 Euro für das Vergleichsquartal des Vorjahres.

„Mit unserem Quartalsergebnis können wir mit Blick auf die Marktlage gerade noch zufrieden sein. Ohne die von uns frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz und zur Reduktion der Kosten stünden wir heute deutlich schlechter da. Wir sind zuversichtlich, die Krise gut zu meistern und als einer der Gewinner hieraus hervorgehen zu können. Zuversichtlich stimmt uns auch, dass die Nachfrage unserer Kunden im ersten Quartal seit dem Umsatztiefpunkt im Dezember vergangenen Jahres wieder angezogen hat“, so Hans H. Overdiek, Vorstandsvorsitzender der Pfleiderer AG, anlässlich der Vorlage der Quartalsergebnisse.

Westeuropa durch stark rückläufigen Export geprägt

Im ersten Quartal 2009 verzeichnete die Region Westeuropa im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang von 24,3% auf 197,0 Mio. Euro. Das Vorjahresquartal war dabei durch ungewöhnlich hohe Umsätze gekennzeichnet. Innerhalb von Westeuropa war im Berichtszeitraum zudem eine regional signifikante Abweichung der Umsatzentwicklung feststellbar. Exporte aus Deutschland waren gegenüber dem Vorjahr stark rückläufig, während die Inlandsnachfrage relativ stabil blieb. Im Objektgeschäft schreibt die Pfleiderer AG nach wie vor gute Zahlen, dagegen zeichnet sich im Geschäft mit Büro- und Ladenmöbeln eine Abschwächung ab. Die Nachfrage nach beschichteten Platten stellte sich besser dar als im Bereich Rohspan und Roh-MDF. Schwierig ist und bleibt der Markt für Bodenbeläge in Westeuropa. Für alle Bereiche gilt, dass die am Markt bestehenden nicht ausgelasteten Kapazitäten in allen Produktgruppen erheblichen Druck auf die Verkaufspreise ausüben. Das EBIT sank in Westeuropa von 32,0 Mio. Euro im Vorjahresquartal auf 8,4 Mio. Euro. Das Ergebnis war durch außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 4,0 Mio. Euro belastet. Die EBIT-Marge reduzierte sich dadurch auf 4,2 Prozent.

Osteuropageschäft durch Wechselkurse belastet

In Osteuropa wirkte sich die Finanzkrise sowohl auf die Wechselkurse als auch auf die Binnennachfrage aus. Der starke Rückgang der Rohstoffpreise hat nach Angaben des IWF in Russland zu einer tiefen Rezession geführt, während Polen mit einer moderaten Schrumpfung von 0,7% rechnen muss. Bei Holzwerkstoffen lag die Nachfrage in Russland rund ein Viertel unter dem hohen Niveau des Vorjahres, während Polen einen Rückgang um ca. 10% aufweist. Neben diesem Mengenrückgang führten der Preisverfall in lokaler Währung sowie die Währungsabwertung in Osteuropa zu einem Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von 37,8% auf 65,5 Mio. Euro. Davon entfielen allein 15 Pro-zentpunkte auf Währungseffekte. Während die Nachfrage nach Rohspanplatten stark zurückging, blieb sie bei Roh-MDF nahezu stabil, bei beschichtetem MDF wurde ein Wachstum verzeichnet. Aufgrund der Währungsschwäche in Polen konnten die Kunden, die zu einem Großteil Möbel für den Export herstellen, ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern und wieder mit einer vermehrten Nachfrage aus dem Ausland rechnen. Das EBIT blieb in Osteuropa mit 4,4 Mio. Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Die EBIT-Marge erhöhte sich von 5,0% auf 6,8% im aktuellen Berichtszeitraum.

Nordamerika bei Umsätzen nahezu auf Vorjahresniveau

In Nordamerika geht die Rezession in das dritte Jahr, beginnt aber abnehmende Schrumpfungsraten zu zeigen. In diesem immer noch schwierigen Umfeld hat die Pfleiderer AG besser abgeschnitten als der Markt und beim Umsatz einen Rückgang von nur noch 5,7% auf 104,5 Mio. Euro verzeichnet. Beschichtete Produkte haben dabei relativ besser abgeschnitten als Rohspan und Roh-MDF. Auch bei Fußbodenbelägen konnten weitere Marktanteile gewonnen werden. Die Nachfrage der Büro- und Küchenmöbelhersteller blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Aufgrund der im Markt immer noch bestehenden nicht ausgelasteten Kapazitäten sanken die Preise auch im Berichtsquartal weiter. Die gesunkenen Rohstoffkosten sowie ein rigides Kostenmanagement haben auf der Ertragseite für Entlastung gesorgt. Damit stieg das EBIT von 1,0 Mio. Euro im Vorjahresquartal auf 6,1 Mio. Euro im ersten Quartal 2009. Der Wiederaufbau des nach Moncure/USA verlagerten MDF-Werks schreitet voran, die Inbetriebnahme ist abhängig von der Marktlage nach wie vor für das vierte Quartal 2009 vorgesehen.

Investitionsleistung in den USA zum Ausbau der Wettbewerbsposition

Der operative Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit ist im abgelaufenen Quartal mit -37,6 Mio. Euro negativ. Dies hängt zum einen mit dem geringeren Ergebnisbeitrag und dem Rückgang der Rückstellungen um 21,3 Mio. Euro gegenüber dem Jahresende zusammen. Zum anderen ist hierfür ein Anstieg der Forderungen verantwortlich, die aufgrund des im Vergleich mit Dezember 2008 deutlich höheren Geschäftsvolumens im März 2009 zunahmen. Die Investitionen inklusive geleisteter Anzahlungen beliefen sich im Berichtsquartal auf 29,4 Mio. Euro nach 20,6 Mio. im Vorjahr. Ein Großteil davon entfiel auf die Region Nordamerika, wo hauptsächlich wegen des Aufbaus des neuen MDF-Standorts in Moncure/USA 18,3 Mio. Euro investiert wurden. Die Eigenkapitalquote nahm im ersten Quartal aufgrund von Wechselkurseffekten leicht auf 36,3% ab. Die Nettoverschuldung des Konzerns erhöhte sich gegenüber Jahresende von 635,5 Mio. Euro auf aktuell 715,8 Mio. Euro, wodurch das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital (Gearing) auf 103,3% stieg.

Zusätzliche Einsparungen in Höhe von 80 Mio. Euro geplant

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzmarktkrise geht die Pfleiderer AG für 2009 auch weiterhin von einer schwierigen Entwicklung des Gesamtmarktes aus. In allen Segmenten wird mit Preis- und Mengenrückgängen gerechnet, die durch die gute relative Kostenposition über Marktanteilsgewinne teilweise ausgeglichen werden sollen. Im Fokus stehen ein striktes Cashflow-Management und die 2008 begonnenen Kostensenkungsmaßnahmen, die fortgeführt und durch weitere Einsparungen in Höhe von 80 Mio. Euro im laufenden Geschäftsjahr ergänzt werden. Westeuropa wird durch eine weitere Abkühlung der Nachfrage mit gegenüber 2008 rückläufigen Margen gekennzeichnet sein. Hier steuert die Pfleiderer AG mit der kontinuierlichen Verbesserung der Produktivität und einem Ausbau der Exportaktivitäten entgegen. In Osteuropa wird sich der weitere Hochlauf des neuen MDF-Werks im polnischen Grajewo positiv auswirken. Gleiches gilt für die zusätzlichen Kapazitäten, die in der zweiten Jahreshälfte 2008 in Novgorod/Russland geschaffen wurden. Der Werksneubau des MDF-Werks an diesem Standort wird zeitlich gestreckt fortgesetzt. In Nordamerika wird mit einer moderaten Erhöhung des Geschäftsvolumens durch die Gewinnung von Marktanteilen und durch das neue Spanplattenwerk in Moncure/USA gerechnet. Hier soll im vierten Quartal 2009 auch das im kanadischen La Baie abgebaute MDF-Werk abhängig von der Marktlage wieder in Betrieb genommen werden.

Pfleiderer-Konzern: Zahlen zum 1. Quartal 2009

(nach IFRS)

in Mio. € 01.01.–31.03.09 01.01.–31.03.08 Veränderung in %
Umsatz 358,0 467,7 -23,5
* Auslandsanteil (in Prozent) 70,6 72,2 -2,2
EBITDA 52,7 60,4 -12,7
* EBITDA-Marge (in Prozent) 14,7 12,9 14,0
EBIT 23,0 32,2 -28,5
EBT der fortzuführenden Aktivitäten 6,6 14,4 -54,2
Periodenergebnis 3,4 10,9 -68,8
Konzernergebnis 0,1 5,3 -98,1
Ergebnis je Aktie - (unverwässert) in Euro 0,00 0,10
Ergebnis je Aktie - (verwässert) in Euro 0,00 0,10
Mitarbeiter 5.720 5.866 -2,5
* Inland 2.547 2.581 -1,3
* Ausland 3.173 3.285 -3,4
Durchschnittliche Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien - unverwässert 50.682.642 50.938.862
in Mio. € 31.03.09 31.12.08 Veränderung in %
Bilanzsumme 1.909,0 1.887,5 1,1
Eigenkapital 692,9 710,9 -2,5
Eigenkapitalquote (in Prozent) 36,3 37,7 -3,7
Nettoverschuldung 715,8 635,5 12,6

Ansprechpartner:

PFLEIDERER AG, Neumarkt
Fabian Schiffer
Leiter Corporate Communication
Tel.: + 49 (0)9181 / 28 - 8491
Fax: + 49 (0)9181 / 28 - 606
E-Mail: fabian.schiffer@pfleiderer.com

Lothar Sindel
Leiter Investor Relations
Tel.: + 49 (0)9181 / 28 - 8044
Fax: + 49 (0)9181 / 28 - 606
E-Mail: lothar.sindel@pfleiderer.com

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